Entourage Effekt

Der Entourage Effekt

– Pflanzliche Synergie –

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Die besonderen Eigenschaften der Terpene ermöglichen medizinisch nutzbare Synergien mit anderen Pflanzenstoffen, was in Bezug auf die Familie der Cannabinoide auch mit dem Sammelbegriff „Entourage-Effekt“  bezeichnet wird. Terpene können demnach die Wirkung der Cannabinoide auf verschiedene Weise beeinflussen und umgekehrt. Dies geschieht über verschiedene Mechanismen: pharmakokinetische Effekte können Bioverfügbarkeit und Löslichkeit therapeutisch nutzbarer Bestandteile verbessern. Außerdem kann es durch den Entourage-Effekt zu einer kombinierten Wirkung auf verschiedene therapeutische Zielstrukturen kommen. In diesem Zusammenhang wird von Cannabisblüten bzw. Cannabisblüten-Vollextrakten auch als „synergistic shotguns“ (synergistische Schrotflinten) gesprochen, im Gegensatz zu monoextrahierten Einzelsubstanzen (z.B. THC oder CBD), sog. „silver bullets“.

Der Entourage-Effekt kann therapeutisch gewünschte Effekte auf der Basis einer selektiven und gezielten Cannabisblüten-Wahl verstärken, ergänzen und/oder unerwünschte Nebeneffekte abschwächen. Die Gesamtheit aller arzneilich wirksamen Substanzen der Cannabisblüte ähnelt dabei einem „Symphonieorchester, in dem viele Musiker die Melodien der Solisten unterstützen und harmonisieren“ (Russo, 2016).

Ein bekanntes Beispiel für die Modulation der Wirkung von Cannabinoiden durch Terpene ist das Myrcen, das z. B. auch in Hopfen und Mango in größeren Mengen enthalten ist. Myrcen wirkt leicht sedativ und muskelrelaxierend und wird im Zusammenspiel mit THC oft für das sogenannte „couch-lock“-Phänomen verantwortlich gemacht. Dieses Phänomen beschreibt einen Zustand tiefer körperlicher Entspannung, der, je nach Konsument, Situation und medizinischer Fragestellung, als mehr oder weniger angenehm empfunden werden kann.

Limonen, ein weiteres häufiges Terpen in Cannabisblüten hat anxiolytisch Potential  und kann damit der teilweise als unangenehm empfundenen Psychoaktivität des THC entgegenwirken, während das Terpen Pinen in der Lage ist, Gedächtnisleistungen zu verbessern und damit Cannabinoid-assoziierte Einschränkungen in diesem Bereich zu reduzieren.

Viele unerwünschte Wirkungen können also durch den gezielten Einsatz spezifischer Terpene, d. h. durch die selektive Auswahl entsprechender Cannabisblütensorten, gemildert oder sogar vollständig verhindert werden.

Diese und andere Beispiele zeigen das enorme Potenzial, das die Terpene dank des Entourage-Effekts in der individuellen Therapiegestaltung mit Cannabisblüten oder Cannabisblütenvollextrakten haben können. In der Cannabisforschung gelten die Terpene bisher als „vernachlässigte pharmakologische Schatztruhe“. Durch die Zucht und gezielte Auswahl von Cannabisblütensorten mit spezifischen Zusammensetzungen von Cannabinoiden, Terpenen und weiteren sekundären Pflanzenstoffen kann dieser therapeutische Schatz den Patienten zugänglich gemacht werden.